09. 08. 2007

FFF 2007 – Tag 8

Fantasy Filmfest

Es ist vollbracht, das Fantasy Filmfest 2007 ist überstanden, und ich habe diesmal tatsächlich alles gesehen, was ich sehen wollte (bis auf die Spätvorstellungen halt, weil dann keine U-Bahn mehr fährt). Insgesamt hat mir das Programm dieses Jahr wieder gut gefallen. Es gab zwar kein Über-Highlight, aber sehr viele gute Filme und kaum Gurken. Meine Favoriten (und gleichzeitig Empfehlungen): Botched, Mr Brooks, All the Boys love Mandy Lane, Black Sheep, Black Water, Disturbia, Fido, Dead Silence, I’m a Cyborg, but that’s OK, Live! und Stuck.
Aber ich habe ja noch die letzten Filme zu besprechen…

Live!

Ein völlig neues Spielshow-Konzept soll das Fernsehen revolutionieren, und ein Dokumentarfilmer zeigt uns wie es sich von der ersten Idee bis zur Ausstrahlung entwickelt. Dabei folgt er einer Programmchefin, die ihre Show mit allen Mitteln durchsetzen möchte: Russisch Roulette zur Primetime! 6 Kandidaten sollen sich live im Fernsehen dem Tod stellen, und die Überlebenden gewinnen 5 Millionen $. Moralische Bedenken werden gekonnt bei Seite gewischt.
Die Idee zu „Live!“ ist nicht neu, man denke nur an „Running Man“. Allerdings wird sie hier so realitätsnah umgesetzt (nicht nur durch den Dokumentar-Stil), dass es einem kalt den Rücken runterläuft. Man hat das Gefühl, dass das alles sich genau so tatsächlich bald abspielen könnte. Dazu tragen vor allem die Reality TV-Klischees bei, die hier munter eingesetzt werden: von den gestellt-emotionalen Videoclips über die Kandidaten bis hin zur musikalischen Untermalung.
Zu dieser Realitätsnähe kommt aber noch die Tatsache, dass der Film tatsächlich spannend ist. Man will unbedingt wissen, ob die Show ausgestrahlt wird, und als es dann tatsächlich so weit ist ertappt man sich dabei, wie man selber mitfiebert.
Letztendlich gibt es wahrscheinlich noch intelligentere und subtilere Filme dieser Art, aber mich konnte „Live!“ durchgehend fesseln.

Fazit: Spannende Mediensatire, die erschreckend realitätsnah wirkt.

Yo-Yo Girl Cop

Ein aus den USA ausgewiesenes Mädchen bekommt in ihrer einstigen Heimat Japan die Chance, für eine Spezialeinheit der Polizei zu arbeiten. Sie soll wegen ihrer außergewöhnlichen Kampfkünste als Undercover-Agentin in eine Schule eingeschleust werden, allerdings lässt sie sich nur dazu überreden, weil ihrer Mutter sonst in New York eine Anklage als Spionin droht. So muss sie sich vom kratzbürstigen Straßenkind zur braven Schülerin wandeln, nur bewaffnet mit einem Yo-Yo. Der Fall auf den sie angesetzt wird hat mit einer mysteriösen Internetseite zu tun, auf der von Jugendlichen Bomben-Bauanleitungen ausgetauscht werden und auf der ein Countdown läuft.
Ich hätte mir gewünscht, dass der Film durchgehend so abgedreht wäre wie am Schluss. Leider nimmt er sich aber über weite Strecken viel zu ernst, was dem ganzen etwas den Spaß nimmt. Echte Yo-Yo-Action bekommt man viel zu selten geboten, und weil sie Story wenn man sie ernst nimmt nicht viel her gibt bleibt unterm Strich nur Durchschnittskost übrig. Selbst die zahlreichen Bomben wirken alle etwas mickrig.
Meine absolute Lieblingsszene soll aber nicht unerwähnt bleiben: Als sich unser Yo-Yo Cop und der Bösewicht im Finale gegenüber stehen, zieht er sich mit einer dramatischen Bewegung eine Perücke herunter. Er war also die ganze Zeit verkleidet! Und oh Schreck – darunter ist er blond! Ob Japaner nun blonde Haare für ein Symbol des Bösen halten weiß ich nicht, aber diese Szene war so schön absurd, dass ich mir gewünscht hätte, der Film hätte mehr in der Art zu bieten.

Fazit: Mann kann die Story unmöglich erst nehmen, aber sie ist leider die meiste Zeit über nicht trashig genug umgesetzt, um richtig zu unterhalten.

Joshua

Joshua ist ein intelligenter, liebenswerter 9 jähriger Junge. Als er ein kleines Schwesterchen bekommt scheint die gesamte Familie erst mal sehr glücklich – aber dann bekommt seine Mutter immer schlimmere psychische Probleme, das Baby schreit nur noch und sein Vater beginnt sich zu fragen, ob Joshua wirklich so ein Unschuldslamm ist wie er immer tut.
Der Film ist eher ruhig aufgebaut und setzt nicht auf vordergründigen Horror. Vielmehr ist man bis zu letzt hin und her gerissen, ob der Junge nun tatsächlich böse ist, oder ob ihm unrecht getan wird und das alles nur Einbildung ist. Dabei muss ich dem kleinen Schauspieler zu Gute halten, dass er sehr überzeugend ist – egal ob liebenswert oder zwielichtig.
Als einen wirklichen Top-Film habe ich „Joshua“ allerdings trotzdem nicht empfunden. Dafür lässt sich der Horror dann doch zu viel Zeit und viel neues bietet die Geschichte nicht. Verblichene Haustiere und mysteriöse Unfälle gehören zu den Standard-Klischees mit denen man in solchen Filmen eh rechnet.

Fazit: Relativ harmloser Film, dessen Hauptdarsteller aber zu überzeugen weiß.

Unrest

Einigen frisch gebackenen Medzinstudenten steht ihr erster Anatomie-Kurs bevor, in dem es gilt Leichen zu obduzieren. Aber eine der Toten scheint von einer Art Fluch belegt zu sein… mehrere Leute, die sie angefasst haben sterben auf msyteriöse Art und Weise und im Krankenhaus scheint es zu spuken.
Ich hatte vorher gelesen, dass für diesen Film echte Leichen verwendet wurden, und tatsächlich hat das sehr dazubegetragen, dass ich mich bei den ersten Szenen profilaktisch achon mal vorgeekelt habe. Man gewöhnt sich aber genauso schnell an die wenig appetitlichen Toten wie die Medizin-Studenten. Was bleibt dann noch? Vor allem die bedrohliche Atmosphäre, die durch den Schauplatz des Films erzeugt wird, denn er spielt bis zuletzt nur in kalten Krankenhausgängen und den Obuktionsräumen. Das ist sein großer Pluspunkt. Eine besonders eindringliche Szene ist die mit dem Leichen-Aufbewahrungs-Tank, allerdings merkt man hier auch sehr deutlich, wie unlogisch der Film manchmal wird – wer würde da denn bitte freiwillig reinspringen?! Und bei de Geister-Effekten und Morden hält sich der Film ebenfalls ziemlich zurück.

Fazit: Der Film ist okay, aber nichts überragendes. Das beste sind tatsächlich die Leichen (egal ob echt oder unecht), weil sie sehr zur Atmosphäre beitragen.

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