03. 12. 2007

So endet ein Studium

Studium

Jahrelang habe ich auf diese Wochen hingearbeitet und jetzt ist es fast geschafft! Die Rede ist vom Abschluss meines Kommunikationsdesign-Studiums. Aber wer die Überschrift liest, weiß das ja schon. Nachdem ich im November bereits meine schriftlichen Klausuren hinter mich gebracht hatte, war der letzte Donnerstag der Stichtag für den größten Brocken: Meine praktische Examens-Arbeit wurde benotet. Diesen Donnerstag folgt dann noch eine kleine mündliche Prüfung in Psychologie/Soziologie und die Woche darauf gibt’s Zeugnisse. Aber hier will ich jetzt nur von meinem praktischen Examen berichten, weil es am meisten zählt und mir eine Menge Kopfschmerzen bereitet hat.

Ich entwerfe ein Kartenspiel. Unser Thema war relativ frei wählbar, solange es irgendetwas mit Gestaltung oder Werbung zu tun hatte, von daher also kein Problem. Ich habe komplett eigene Regeln entwickelt, immer wieder überarbeitet und insgesamt 100 verschiedene Karten mit Illustrationen und Texten entworfen. Die Regeln will ich hier jetzt gar nicht groß erklären, aber wer „Chez Geek“ oder „Munchkin“ kennt, weiß in welche Richtung es geht. Das Thema das Spiels ist „Verhalten in Internet-Foren“ und die einzelnen Karten stehen für Foren-Beiträge. Das Ziel ist es, durch positive Beiträge Ansehens-Punkte zu sammeln und dem Ansehen der Gegner durch das Ausspielen negativer Karten zu schaden. Zusätzlich gestaltete ich eine Verpackung in Form eines kleinen Laptops und Tafeln zum Punkte zählen.

Soviel zu meiner Aufgabe. Das Problem war dann erst einmal, eine Druckerei zu finden, die mir ordentliche Spielkarten drucken konnte, denn von Seiten der Uni hieß es, dass das ganze unbedingt richtig professionell aussehen müsse. Frei nach dem Motto: Schön, dass du du so viel Zeit da rein steckst – aber am Schluss zählt nur, wer am meisten Geld für die Präsentation ausgibt. Das alte Spiel. Selber drucken kam nicht in Frage… ich kaufte 3 verschiedene Sorten Kartenvorlagen, nur um fest zu stellen, dass sie alle eine bedruckte Rückseite hatten. Für mein Examen nicht verwendbar, aber meine Verwandtschaft werde ich jetzt jahrelang mit selbst gedruckten Kartenspielen beglücken können. Bei der Druckerei zu der ich dann ging lief erst alles bestens. Nette Leute, Probedruck und das Schneiden sei kein Problem. Als ich die fertig gedruckten Karten dann aber einen Tag vor der Präsentation auspackte, bekam ich einen Schock: Bei jeder war der schwarze Rand an einer Seite abgeschnitten! Die Druckerei redete sich raus und es war sowieso zu spät für einen neuen Druck. Was also tun? Zum Glück war mein Freund krank und saß zu hause, also erbarmte er sich und zog bei jeder Karte den Rand mit Edding nach. Glücklicherweise erkannte man nicht, dass wir so „unprofessionell“ nachgeholfen hatten.

Dann war er da – der Tag der Präsentation! Ich hatte meine Karten wie zuvor mit meinem Dozenten abgesprochen hübsch auf einem Tisch verteilt und die Verpackung dazu gestellt. Darüber hingen an der Wand ein paar Schaubilder, die den womöglich schon etwas älteren Prüfern klar machen sollten, was ein Internet-Forum ist, damit sie das Konzept verstehen. Ich fühlte mich gut vorbereitet. Um 8:00 h war ich da… fast 10 Stunden später kam ich dran. Monate zuvor hatte ich gefragt, ob man bei unserem großen Semester die Präsentationen nicht auf zwei Tage verteilen oder wenigstens genauere Termine vergeben könne. „Klingt nach einer guten Idee…“ Aber nein, das würde ja bedeuten, dass die Uni etwas organisieren müsste! So wartete ich also tapfer bis der Trupp aus 5 Prüfern bei meinem Spiel angelangt war. Es waren vier Dozenten aus der Uni und ein staatlicher Prüfer dabei, und nur einer von ihnen kannte mein Projekt. Trotzdem sollte ich schon anfangen, obwohl einer noch auf der Toilette war. Überflüssig zu erwähnen, dass seine Note später genau so viel zählen würde wie die der anderen. Ich erzählte also erst einmal etwas zu Internetforen allgemein und beschrieb dann kurz den Aufbau und den Sinn meines Kartenspiels. Dann kamen ein paar Fragen, von denen mich eine komplett aus dem Konzept gebracht hat. Der staatliche Prüfer (wohl ein Design-Spezialist) meinte nämlich folgendes: „Es ist schade, dass deine Karten so traurig wirken… wieso ist da dieser unpassende schwarze Rand drum herum?“ Ich hatte mir NIE Gedanken um diesen Rand gemacht! Wenn man sich Spiele dieser Art ansieht haben sie den so gut wie immer, das ist einfach so. Schwarz oder weiß, un schwarz war in meinem Fall der bessere Kontrast. Ich würde sagen, weil man sie so in der Hand besser auseinander halten kann. Und es sieht einfach besser aus, aber TRAURIG? Ich murmelte etwas von Kontrasten, aber ich glaube nicht, dass ihn das zufrieden stellte. Dann meinte noch einer zum Abschluss, dass ich die Karten nicht auf einem Tisch hätte präsentieren sollen, sondern dass es besser gewirkt hätte, wenn ich sie alle (trotz Platzmangel! *hust*) an die Wand gehängt hätte. „Dann hätte man besser erkannt, wie viel Arbeit drin steckt.“ Ja klar – es sähe bombastisch aus, finde ich auch. Aber ich hatte nicht mehr Platz bekommen und hatte das mit dem Tisch mit meinem Dozenten abgesprochen (der jetzt natürlich schwieg…). Außerdem klang es vernünftig, dass man ein Spiel auch anfassen können sollte. Genau das taten die Prüfer aber nicht. Niemand sah sich meine mühsam gebastelte Verpackung aus der Nähe an, sie fragten nicht mal nach der passend dazu gestalteten Anleitung. Nur einer nahm überhaupt mal eine Karte in die Hand, um sie sich näher anzusehen. Und meine Informationen über Internetforen wurden gekonnt ignoriert. Warum? Ich schätze aus Zeitmangel, weil sie ja unbedingt alle Studenten an einem Tag abklappern wollten. Dabei ist es unmöglich innerhalb von 10 Minuten ein Kartenspiel und das zu Grunde liegende Thema „Fehlverhalten in Internetforen“ zu erklären, wenn die Leute, die man vor sich hat weder solche Kartenspiele noch Foren kennen. Klar, dass sie lieber an einer bunten Plakatwand mit schnell zu verstehender Werbebotschaft vorbei gelaufen wären – das geht schneller. Dementsprechend mies war mein Gefühl, als sie weiterzogen. Denn obwohl sie meinten, dass man sehen würde wie viel Arbeit ich in das Spiel gesteckt hatte, merkte ich, dass sie sich gar nicht wirklich damit auseinander gesetzt hatten. Es klang eher nach tröstenden Worten.

Ich kann also beim besten Willen nicht abschätzen, was für eine Note ich bekommen werde. Es wird wohl nichts all zu schlechtes werden, aber es ärgert mich, dass ich einmal wirklich zufrieden mit einer (wichtigen!) Arbeit bin, und sich dann nicht genügend Zeit dafür genommen wird. Anderen ging es ähnlich. Es kann doch z.B. nicht sein, dass man Plakate und eine Broschüre gestaltet, dann die Broschüre aber nicht mal durchgeblättert wird. Wenn eine Benotung so abläuft, zählt nämlich wirklich nur, wer den dicksten Rahmen an die Wand hängt, und das finde ich mehr als ungerecht. Aber genug aufgeregt, die Organisation an unserer Uni war ja noch nie das Wahre… Am 13. weiß ich dann meine Note, und daran ändern können werde ich sowieso nichts.

4 Gedanken zu „So endet ein Studium

  1. JohannaG

    Was für Idioten. Und dafür hast du 10 Stunden gewartet und dafür kriegen diese Leute auch noch Geld…
    Ich drück dir auf jeden Fall alle Daumen für ein Ergebnis, dass besser ist, als du dir ausmalst ;)

  2. Andreas Gohr

    Jaja, das gute alte deutsche Bildungssystem. Wundert mich alles überhaupt nicht mehr.
    Aber dein Spiel klingt interessant! Hast du dir mal überlegt ob du dafür vielleicht einen Verleger finden könntest?

  3. ZiB

    Ja, ich habe es vor an ein paar Verlage zu schicken :) Ich will es nur vorher noch richtig überarbeiten und vor allem oft genug probespielen, damit die Regeln gut funktionieren.

  4. foosel

    Was ich von den Idioten da halte hab ich ja Donnerstag schon versucht in Worte zu fassen… die 10h Wartezeit für ein derartiges Massenabfertigen ohne anständige Würdigung der eigentlichen Leistung und dann auch noch so dämliche Bemerkungen („Der schwarze Rand macht mich so traurig!“ …) hätten mich jedenfalls auch stinksauer gemacht.
    Ich bin aber sehr auf das Spiel gespannt :)

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