31. 08. 2009

FFF 2009 – Tag 5

Fantasy Filmfest 2009 Frankfurt

Das war der Tag der langen Filme, keiner unter 100 Minuten und die beiden asiatischen ließen sich je etwa 2 1/2 Stunden Zeit. Noch dazu waren alle Vorstellungen so gut wie ausverkauft, bei „District 9“ saßen einige sogar auf den Treppen. Aber glücklicherweise haben wir immer gute Plätze abbekommen, so dass ich die Filme richtig genießen konnte.

Push

Kostenlose Promo-Vorstellungen müssen nicht auf einen schwachen Film hindeuten… können aber. „Push“ bekommt keinen deutschen Kinostart, erscheint bald direkt auf DVD und deshalb wurde kein Geld dafür verlangt. Und tatsächlich hätte ich mich geärgert, dafür etwas auszugeben, denn was einem präsentiert wird ist absolut austauschbare und öde Superhelden-Action. Wobei „Superhelden-Action“ irreführend ist, denn wirklich heldenhaft kommt hier niemand rüber. Jeder der Charaktere verfügt über unglaubliche Fähigkeiten, sie können Objekte mit Gedankenkraft bewegen, die Gedanken anderer manipulieren oder in die Zukunft sehen. Aber was spannend klingt verkommt hier zur Nebensächlichkeit, weil sich nie jemand über diese Fähigkeiten wundert oder daran zweifelt, ob er sie benutzen soll. Sie können’s einfach, Punkt. Und sie leben als ganz normale Menschen, die nicht auf die Idee kommen, ihre Fähigkeiten zum Guten einzusetzen – stattdessen geht es nur darum, einer bösen Regierungsorganisation zu entkommen.

Wenn man schon keine interessanten Entwicklungen der Charaktere oder schillernde Bösewichte einbaut, hätte man eigentlich imposante Kämpfe bieten müssen – aber selbst da versagt der Film. Ein paar nette Ideen hat er zwar zu bieten, aber da wäre viel mehr drin gewesen. Und das kitschig bunte Setting nervt, denn offensichtlich dachte man, dass man dem ganzen allein dadurch einen eigenen Stil verleihen kann, indem man Hong Kong als Handlungsort wählt.
Hinzu kommt ein ganzer Batzen von Ungereimtheiten, die vor allem daraus resultieren, dass die Fähigkeiten der „Helden“ viel zu mächtig sind. Und die am häufigsten eingesetzte Fähigkeit des „in die Zukunft Schauens“ ist sowieso immer sehr schwer zu handhaben. Logiklöcher sind in solchen Filmen natürlich nicht immer vermeidbar, aber hier hat man sich offenbar so gut wie gar keine Gedanken gemacht.

Fazit: Hätte gut werden können, aber letztendlich bleibt nur ein fades Durchschnittsfilmchen übrig… guckt lieber „Heroes“, da hat man mehr von.

Red Cliff

John Woo dreht einen Historienschinken, den bislang teuersten chinesischen Film aller Zeiten. Das muss man sich ansehen. Ursprünglich handelt es sich um einen Zweiteiler, der für den westlichen Markt aber zu einem einzelnen (immer noch 2 1/2 Stunden langen) Film zusammengeschnitten wurde. Glücklicherweise kann man der Handlung trotzdem gut folgen.

Es geht um eine legendäre Schlacht, die 208 in China stattfand. Der friedliche Süden wird vom Norden attackiert, der mit einer riesigen Kriegsflotte anrückt. Obwohl sie in der Unterzahl sind, stellen sie sich dem Feind entgegen und versuchen ihn durch ausgeklügelte Strategien zu schlagen.
Besonders dieses spannende Taktieren macht den Reiz des Films aus, denn die (grandios in Szene gesetzten!) Kriegsszenen bestehen nicht nur daraus, dass Menschen mit Schwertern wild aufeinander einprügeln. Hier wird Abwechslung geboten, und man kann manchmal nur staunen, wie trickreich die Kriegsherren vorgehen.

Fazit: Ein wirklich beeindruckendes Kriegsepos, dem man sein hohes Budget ansieht. Kann man sich durchaus auch als Europäer antun ohne einzuschlafen! :)

District 9

Es ist immer so eine Sache mit Filmen, die extrem gehypet werden. Wochenlang war „District 9“ eines der Nummer 1 Themen bei Twitter und legte einen grandiosen Start an den Kinokassen hin. Er wurde zwar von keinem geringeren als Peter Jackson produziert, es handelt sich aber um ein Erstlingswerk des Regisseurs Neill Blomkamp. Als ich gespannt im überfüllten Kinosaal saß fragte ich mich, ob er den extrem hohen Erwartungen tatsächlich gerecht werden würde. Aber ja – das wurde er! Und wie!

Erst mal ein paar Worte zur Handlung: Vor 20 Jahren tauchte auf einmal ein riesiges Raumschiff über Johannesburg auf. Man errichtete eine Art Ghetto für die Aliens, die ja nun offenbar auf der Erde gestrandet waren und irgendwo unterkommen mussten. Allerdings behandelt man sie nicht gerade respektvoll. „District 9“ ist eine heruntergekommene Müllhalde, und die menschlichen Nachbarn bringen der fremdartigen Spezies nur Hass und Verachtung gegenüber. Unterdessen versuchen unterschiedliche Gruppierungen, die mächtigen Waffen der Außerirdischen unter ihre Kontrolle zu bringen.
Diese Ausgangssituation wird einem gleich in den ersten Minuten klar gemacht, und zwar durch einen überwiegend dokumentarischen Stil. Trotz der gesellschaftskritischen Ansätze sollte man aber kein langatmiges Rassismus-Drama erwarten, „District 9“ strotzt nur so vor Action und lässt einem über seine gesamte Laufzeit keine Minute Verschnaufpause. Außerdem absolut hervorragend sind die Effekte – obwohl sie durchgehend zu sehen sind, wirken die Aliens nicht wie Fremdkörper, sondern ihre Bewegungen und Interaktionen mit den Menschen sind so realistisch, dass man sich fragt wofür andere Hollywood-Produktionen Millionen Dollar ausgeben müssen.

Fazit: Intelligenter, berührender und dennoch actionreicher Sci-Fi Film, den man definitiv sehen MUSS! Und zwar im Kino, er startet in Deutschland schon am 10. September.

Thirst

Vampirfilme gibt es viele, und Park Chan-wook (Oldboy, I’m a Cyborg but that’s okay) geht das Thema sogar relativ klassisch an. Ein herzensguter junger Priester arbeitet zwar in einem Krankenhaus, möchte den Menschen aber noch mehr helfen. Er reist deshalb nach Afrika und hilft dort dabei, eine Heilung für das tödliche „Emmanuel Virus“ zu finden. Dabei infiziert er sich selber – und überlebt erstaunlicherweise als einziger Patient. Wieder zurück in Korea muss er fest stellen, dass er zu einem Vampir geworden ist und sich von nun an von Blut ernähren muss.

Der Film ist sehr ruhig inszeniert, mit kunstvollen Bildern aber auch der einen oder anderen blutigen Szene. Man sollte sich aber auf jeden Fall bewusst sein, dass das trotz der klassischen Geschichte ein etwas anderer Vampirfilm ist, der sich nun mal seine Zeit nimmt. Der sympathische Hauptdarsteller bewahrt „Thirst“ aber dafür, komplett zu einem reinen Kunstprodukt zu werden – man kann richtig mit ihm mitfühlen.

Fazit: Ruhiger, kunstvoll in Szene gesetzter Vampirfilm, den man sich ansehen kann, wenn einem das Thema zusagt. Für eine uneingeschränkte Empfehlung fehlt mir aber der Aha-Effekt, wie ihn beispielsweise „Oldboy“ geboten hat.

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