08. 03. 2010

Oscars 2010

Oscars 2010

Ich habe es getan… nach mehreren Jahren des Ignorierens bin ich heute bis 6:30 h aufgeblieben, um mir die Live-Übertragung Oscar-Verleihung anzusehen.

Dabei gebe ich eigentlich gar nichts auf diesen kleinen, goldenen, nackten Mann. In den letzten Jahren gab es nur einen „besten Film“, den auch ich zu meinen Lieblingsfilmen zähle, und das ist mit „Der Herr der Ringe: Die Rückkehr des Königs“ ausgerechnet ein absolutes Mainstream-Werk, den nun mal (fast) jeder mag. Aber sogar dass solche Filme ausgezeichnet werden, wird immer seltener. Mit dem Oscar verbinde ich inzwischen nicht mehr die großen Blockbuster, sondern schicksalhafte Hollywood-Dramen oder höchstens noch Thriller. Bloß nicht lustig, bloß nicht phantastisch und natürlich erst recht kein Horror. Da mich Filme aber vor allem dann begeistern, wenn sie mich überraschen und nicht bloß die Realität abbilden (die sehe ich eh jeden Tag), kann ich bei vielen ausgezeichneten Oscar-Filmen nicht nachvollziehen, warum ausgerechnet sie die BESTEN sein sollen.

Hinzu kommt, dass ich mich zwar für Filme interessieren, aber nicht wirklich für das Drumherum. Ich weiß nicht, welcher Schauspieler mit wem liiert ist und erst recht interessiert es mich nicht, welcher Designer den Fummel für den roten Teppich entworfen hat. Die Interviews vor den Oscars finde ich deshalb furchtbar, weil immer nach der getragenen Mode gefragt wird. Es ist eine reine Werbeveranstaltung für die Mode-Branche. „Hallo Mr. Freeman, wer ist ihre Begleiterin – und wen trägt sie?“

Warum tue ich mir also diese mehrstündige Selbstbeweihräucherung Hollywoods an? Nachdem es Jahre her war, wollte ich mir mal wieder ein eigenes Bild davon machen, ob ich die Oscars zu Recht ignoriere, oder ob das ganze vielleicht doch einen höheren Unterhaltungswert zu bieten hat, als ich erwartet habe. Soviel zu meiner Rechtfertigung ;).

Und ich muss sagen, das ganze war besser als erwartet. Das lag zum einen daran, dass es während den Oscars keine nervenden Reporter gibt. Da redet niemand über Klatsch und Tratsch und Mode, sondern man merkt, dass es in dieser einen Nacht tatschlich nur um eines geht: Filme. Und das spricht mich als Filmfreund dann doch an, weil ich das Gefühl hatte, dass diese Menschen – obwohl sehr viel berühmter und reicher als meine Wenigkeit – schlicht und ergreifend mein Hobby teilen. Man ist vielleicht oft anderer Meinung, denn wenn es nach mir ginge, hätte Tarantino verdammt noch mal endlich seinen Oscar bekommen. Aber dann gibt es solche Szenen wie die Hommage an Horrorfilme. Oder die rührend nervöse Dankesrede von Geoffrey Fletcher (Autor von Precious). Und selbst die einstudierten Gags fand ich zum Großteil unterhaltsam.

Nicht gefallen hat mit hingegen, dass alles sehr gehetzt gewirkt hat. Den „unwichtigen“ Siegern wurde gerne mitten im Satz das Mikro abgestellt, und das hat dann doch gezeigt, wie kommerziell und bis ins Detail durchgeplant die ganze Veranstaltung hinter der lockeren Fassade ist. Emotionen erwünscht, aber bitte nur solange sie in den Zeitplan passen. Dabei habe ich mich gerade für die Preisträger besonders gefreut, die keine großen Hollywood-Stars sind. Von denen hat man schließlich auch so genug gesehen, denn bekannte Gesichter haben sich an diesem Abend natürlich die Klinke in die Hand gegeben. Und sei es nur für einen Satz… Tom Hanks Auftritt war sehr lustig. Er hat die wichtigste Aufgabe, nämlich den besten Film zu verkünden – und arbeitet das dermaßen schnell ab, dass sich viele zu recht gefragt haben, ob er da jetzt etwas vergessen hat.

Dass Waltz als bester Nebendarsteller ausgezeichnet wurde, war verdient, aber bei Sandra Bullock wundere ich mich doch. Ich finde sie sehr sympathisch, aber beste Schauspielerin? Naja, ich habe den Film nicht gesehen, womöglich täusche ich mich, weil ich sie nur in seichten Komödien kenne. Für den Dude habe ich mich natürlich gefreut, so wie alle. Der beste Film wurde „The Hurt Locker“, was mich zusammen mit den 5 anderen Kategorien die er gewonnen hat, dann doch überrascht hat. Ich habe ihn leider noch nicht gesehen, aber es macht mich immer stutzig, wenn ein Film auf so vielen Gebieten gleichzeitig der beste des Jahres sein soll. Und Avatar? Der wurde weitestgehend ignoriert, was mir nach den vielen Nominierungen schon fast leid für James Cameron getan hat.

Zusammenfassend bin ich froh, mir die Nacht um die Ohren geschlagen zu haben. Denn auch wenn ich nach wie vor viele Entscheidungen der Juroren nicht nachvollziehen kann, war die Show sehenswert. Nur den Red Carpet werde ich nächstes mal auslassen, weil das Getue wirklich unerträglich ist.

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