29. 10. 2014

Robinson Crusoe

Robinson Crusoe

Ursprünglich im SP-Forum gepostet.

Weil ich gerade sehr angetan von unserem neu entdeckten Brettspiel bin, schreib ich mal ein bisschen darüber. Auch, weil wahrscheinlich noch nicht viele Bekanntschaft mit einem solchen Spielprinzip gemacht haben.

Robinson CrusoeDie Spieler sind Schiffbrüchige auf einer einsamen Insel. Der Aufbau und die dicke Anleitung sind erst einmal abschreckend, aber wie so oft: Wenn man erst mal drin ist, geht das Spiel ziemlich locker von der Hand. Und dann lernt man auch die unheimlich gut gestalteten Spielmaterialien zu schätzen, bei denen alles seinen Platz hat. Das Spiel ist sein Geld auf jeden Fall wert. Es ist für 1-4 Personen geeignet, wobei es alleine tatsächlich auch erstaunlich gut funktioniert. Ein bisschen fühlt es sich an, wie wenn man ein Strategiespiel am PC spielt, sehr spannend. Aber am besten wird es natürlich mit menschlichen Schiffsbruchskollegen. Wie bei kooperativen Brettspielen üblich sitzt man nebeneinander, plant und knobelt gemeinsam. Ziel ist es, ein vorgegebenes Szenario zu schaffen, indem man innerhalb von X Runden die individuellen Zielbedingungen erfüllt – und alle müssen überleben. Mehrere Szenarien sind mitgeliefert, aber es gibt auch ziemlich interessante von Fans erstellte, wie z.B. ein LOST Szenario. Daumen hoch dafür! Passend dazu wird einem natürlich auch immer eine andere Hintergrundgeschichte präsentiert und sogar bestimmte Marker und Inselfelder können je nach Szenario unterschiedliche Effekte haben. Die Szenarien sehen sehr abwechslungsreich aus, aber bisher haben wir immer nur das erste gespielt. Wir haben einige Anläufe gebraucht, bis wir es endlich geschafft hatten.

Zum Spielprinzip: Die Runden sind in einzelne Phasen unterteilt, die immer in einer festen Reihenfolge abgearbeitet werden.

  1. In der Ereignisphase erfährt man durch gezogene Karten, was bei den Gestrandeten los ist. Ich will jetzt nicht zu sehr ins Detail gehen, aber das besondere am Ereignisstapel ist, dass die Effekte der Karten sich auf mehrere Runden verteilen. Zum Beispiel wird man von einer Schlange gebissen und dadurch verletzt. Die Karte wird danach in den Stapel gemischt und dadurch irgendwann noch einmal gezogen. Dann heißt es: Deine Wunde hat sich entzündet, es passiert XYZ. Dieses Prinzip der Aktionskarten gefällt mir unheimlich gut, weil man sich wie in einer richtigen Geschichte fühlt, und sich merken sollte, was einem schon für Gefahren begegnet sind.
  2. In der Moralphase wird festgestellt, wie gut es der Gruppe momentan geht. Der Moralwert sorgt dafür, dass man seine Spezialfähigkeiten öfter einsetzen kann, kann durch negative Ereignisse aber jederzeit sinken.
  3. Produktionsphase: Man erhält automatisch Ressourcen (Holz / Nahrung), je nachdem wie und wo man auf der Insel sein Lager errichtet hat. Auf dem Spielplan wird die Insel durch zufällig kombinierte Inselkarten nach und nach aufgebaut. Man startet mit nur einer Inselkarte (dem Strand) und kann durch Erforschen weitere aufdecken. Sie bieten unterschiedlich gute Resourcenquellen und andere Besonderheiten. Außerdem gibt es verschiedene Landschaftstypen,von denen man möglichst viele erkunden sollte.
  4. Die Aktionsphase ist die wichtigste und längste Phase, denn hier wird geplant und die Spieler setzen ihre Aktionen für diese Runde um. Wie das abläuft, dürften Spieler von z.B. Agricola bereits kennen: Jeder hat 2 Aktionssteine, die er auf bestimmte Aktionsfelder setzen kann, um diese in dieser Runde auszuführen. Da man zusammenarbeitet, sollte man alles gemeinsam planen. Es gibt 7 verschiedene Aktionen: Die Insel erkunden, zusätzliche Ressourcen sammeln, Leben regenerieren, und so weiter. Besonders interessant ist das Bauen. Man kann z.B. das Dach oder die Palisade des Lagers ausbauen, um vor Wetter und wilden Tieren geschützt zu sein. Oder man baut eine von vielen Erfindungen, die die unterschiedlichsten Boni gewähren. Viele Aktionen können schief gehen oder in einem unfreiwilligen Abenteuer (Karte ziehen) enden, wenn man alleine los zieht. Setzt man zwei Steine zusammen auf ein Aktionsfeld, kann man sicher sein, dass die Aktion gelingt – aber dafür kann man dann natürlich insgesamt weniger in der Runde schaffen. Das abzuwägen ist häufig nicht so einfach.
  5. Wetterphase: Das Wetter ist oft der gefährlichste Feind. Das Szenario gibt vor, mit welchen Wetterwürfeln man würfelt, und je nachdem erleidet man Schaden. Dieser kann abgewendet werden, indem man ein gut ausgebautes Lager besitzt oder Holz und Nahrung bezahlt.
  6. Nachtphase: Jeder Nacht muss aus dem gemeinsamen Vorrat (fast alles wird geteilt) eine Nahrung pro Spieler abgegeben werden. Ist das nicht möglich, erleiden sie Schaden.

Robinson Crusoe

Robinson Crusoe spielt sich ganz anders, als andere Spiele, die ich bisher kenne. Wir haben zwar auch schon ein paar kooperative Brettspiele ausprobiert, aber die haben weniger Wert auf eine dichte Atmosphäre gelegt. Man fühlt sich wirklich, als würde man auf dieser Insel Abenteuer erleben. Durch die Zufallselemente ist jede Runde anders, aber sie nehmen nicht so sehr überhand, dass es sich unfair anfühlt. Das Taktieren in der Aktionsphase ist ungemein wichtig, und dadurch, dass alle zusammen das Ziel erreichen müssen, diskutiert man alles ernsthaft durch.

Ein wirklich empfehlenswertes Spiel, wenn man sich nicht von komplexeren Regeln und dem Koop-Gedanken abschrecken lässt. Man sollte allerdings eine Gruppe haben, in der alle gut zusammen arbeiten, Spaß am planen haben es nicht einen Spieler gibt, der passiv bleibt und deshalb seine Aktionen von den anderen für sich entscheiden lässt. Dann macht es nämlich für denjenigen sicher keinen Spaß.

Nachtrag: Nach inzwischen 1 1/2 Jahren spielen wir Robinson Crusoe immer noch sehr gerne und es hat sich zu einem meiner absoluten Lieblingsspiele gemausert. Von einem kleinen Hänger in der Mitte abgesehen ist auch die Erweiterung „Die Fahrt der Beagle“ sehr zu empfehlen, da sie eine zusammenhängende Kampagne besitzt. Ich bin schon sehr gespannt auf das nächste Spiel von Ignacy Trzewiczek , das „First Martians: Adventures on the Red Planet“ heißen und quasi Robinson Crusoe auf dem Mars werden soll.

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