12. 09. 2016

FFF 2016 – Tag 9-11

Fantasy Filmfest 2016 in Frankfurt am Main

WaldMein heutiger Blogeintrag wird etwas länger, weil ich mit dem Schreiben hinterherhinke. Schuld daran war vor allem die Nacht von Samstag auf Sonntag. Als wir unsere S-Bahn von Frankfurt Eschersheim nach Bad Vilbel nehmen wollten, kam sie nicht. Es gab keine Durchsagen, aber halt auch keinen Zug. Online fanden wir heraus, dass die gesamte Nacht über nichts mehr fahren würde, und das ist nach drei Filmen am Stück genau die Situation, die man sich nachts wünscht. Wir überlegten kurz, einen Bus zu nehmen, aber ich vertrage Busfahrten leider überhaupt nicht. Also beschlossen wir, zu Fuß zu gehen. 9 km laut Google Maps, 1 1/2 Stunden, das ist selbst für ein unsportliches Ding wie mich schaffbar. Zuerst war es eine lockere Strecke, immer gerade aus. Aber dann wurden die Straßen immer kleiner und einsamer. Als uns Google Maps in eine düstere Gasse lotste, auf der erst einmal eine schwarze Katze unseren Weg kreuzte, witzelten wir noch über Horrorfilmklischees. Aber als wir dann vor einem tiefschwarzen Feld standen, wurde uns tatsächlich mulmig. Der Weg von Frankfurt nach Bad Vilbel führt nämlich durch unbezwungene Natur ohne Lampen, was uns vorher nicht bewusst war. Erst Feld, dann Wald, nur untebrochen von einem noch dunkleren Tunnel, in dem sich jeder psychpathische Killer sofort heimisch gefühlt hätte. Alleine hätten wir uns wahrscheinlich beide nicht weiter getraut, aber wir hatten ja uns und (Dank schwindender Akkuladung zumindest zeitweise) unsere Taschenlampen-Apps. Tapfer stolperten wir durch die Dunkelheit, bis wir nach einer gefühlten Ewigkeit endlich vertrautes Gebiet und Straßenlaternen erreichten. Die Zivilisation! Wir haben überlebt!

Das nur zur Erklärung, warum ich mit einem Tag Verspätung schreibe. Jetzt aber zu den Filmen! Der Freitag bot eine abwechslungsreiche Mischung aus Humor und Horror auf verschiedenen Ebenen, die mich nach der kleinen Durststrecke davor gut unterhalten hat:

Another EvilAnother Evil beginnt als sympathisch zurückhaltende Komödie, die sich fast vollständig auf einen Hausbesitzer und den von ihm bestellten Gespensterjäger konzentriert. Leider verliert er mit zunehmender Laufzeit an Humor und Fahrt, aber unterm Strich trotzdem ein netter kleiner Film.
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The greasy StranglerThe Greasy Strangler legt die Messlatte für Geschmacklosigkeiten sehr hoch – egal ob es die Dialoge, Kostüme, Körper oder das Essen betrifft. Und trotzdem kann man wie bei einem Verkehrsunfall einfach nicht weggucken und lacht sogar noch über das Gezeigte. Schön skurril und mit einem ganz eigenen Charme hat der Strangler das Frankfurter Publikum um den Finger gewickelt. Aber man sollte sich nichts vormachen… massenkompatibel ist das alles kein bisschen. Wie hieß es so schön: Man möchte diesen Film sofort all seinen Freunden zeigen, aber ihn gleichzeitig nie wieder sehen müssen. Ein Festival-Highlight für mich.
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The NeighborThe Neighbor punktet mit einer extrem temporeichen zweiten Hälfte, in der ständig wechselt, wer gerade die Oberhand hat. Für eine Spätvorstellung genau das richtige, um wach gehalten zu werden. Das Grundgerüst ist zwar nicht sonderlich einfallsreich geraten und die Protagonisten wirken etwas blass, aber für mich hat dieser Thriller trotzdem gut funktioniert.
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Am Samstag wurde uns vor „The Similars“ ein extra eingeflogener Überraschungsgast vorgestellt, und zwar der Fotograf des diesjährigen Postermotivs. Es ist das erste veröffentlichte Foto des Schweden, und wir erfuhren in einem kurzen Interview, dass es einen Freund von ihm darstellt. Mir gefällt das Motiv als Poster übrigens ziemlich gut, weil es besser die Stimmung der meisten Filme wiederspiegelt als die bunten Comicfiguren der letzten Jahre. Aber mit dem T-Shirt fühle ich mich ein wenig, als würde ich mich als extremer Fan irgendeines Musikers oder Schauspielers outen, den außer mir niemand kennt. Die besessenen Augen fallen dafür zu wenig auf.
Filmemäßig fing es es am Samstag schwach an, wurde zum Ende hin aber richtig gut.

I had a bloody good time at house harkerI Had A Bloody Good Time At House Harker liefert Slapstickhumor der eher altbackenen Sorte. Etwas, was ich nur schwer ertrage… Während um mich herum gelacht wurde, sehnte ich mir das Ende herbei. Da hilft es leider auch nichts, dass es sich um ein sympathisches Low Budget Projekt handelt, das per Kickstarter und mit viel Herzblut realisiert wurde. Diese Twilight Gags sind ausgelutschter als die Vampire hier, sorry.
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´Don't Kill itDon’t Kill It hat mich als B-Movie mit ordentlichem Bodycount gut unterhalten. Natürlich ist er kein cineastischer Meilenstein, aber was erwartet man auch von Dolph Lundgren? Außerdem gefiel mit das Konzept, dass man den Dämon nicht töten darf. Genau das richtige für zwischendurch, aber auch nicht mehr.
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The SimilarsThe Similars ist eines meiner Highlights dieses Jahr. Twilight Zone auf mexikanisch. In verwaschenen Farben und bedrohlicher Atmosphäre entfaltet sich eine Geschichte, die so merkwürdig und phantastisch ist, dass man unmöglich vorausahnen kann, was als nächstes passiert.
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Sonntag ließ ich wegen meiner eher durchwachsenen Komödienerfahrungen den hochgelobten „My big Night“ aus und begab mich stattdessen auf eine KFC gestärkte Pokémon Go Runde durch die Frankfurter Innenstadt. Etwas ernüchternd, was Lockmodule angeht, da ist im Bad Vilbeler Park mehr los. Aber gemütlich im Park sitzen geht immer. Es ist übrigens inzwischen wieder sehr heiß geworden. Das merkt man in den volleren Vorstellungen leider auch im Kino, denn die Klimaanlage kommt dann nicht hinterher. Ich versuche immer Plätze am Rand zu ergattern, damit sich der Schweißfaktor in Grenzen hält, aber beim komplett asverkauften Train to Busan herrschte dann passenderweise koreanisches Klima im Saal.
Diese Filme hatte mein Abschlusstag zu bieten:

The PriestsThe Priests zeigt, wie Exorzismus in Südkorea abläuft. Dabei orientiert er sich deutlich am großen Vorbild, macht seine Sache aber sehr gut. Nach einem längeren Aufbau wirken die Exorzismusszenen um so gruseliger und die Atmosphäre stimmt immer. Insgesamt außerdem ein sehr hochwertig produzierter Film für ein Debut. Für Freunde des Genres Pflicht, alle anderen sollten allerdings keinen zu actionreichen Film erwarten.
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Beyond the GatesBeyond the Gates schöpft leider sein Potential nicht aus. Eine Horror-Variante von Jumanji im 80er/90er Trash Look? Das hätte ein großer Spaß werden können! Es dauert aber viel zu lange, bis wirklich gespielt wird. Der Rest langweilt eher, und da reißen es die wenigen interessanten Spielszenen auch nicht raus.
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Train to BusanTrain to Busan bietet hochwertige Zombieaction in und um einen Zug herum. Nach „The Priests“ ist es der zweite südkoreanische Film an diesem Tag, der sich erfolgreich eines eher aus westlichen Horrorfilmen bekannten Themas annimmt. Hier wird mehr auf Tempo gesetzt, und das zahlt sich beim Publikum aus. Er war nicht nur in Südkorea ein Kassenerfolg, sondern auch die Frankfurter Vorstellung war bereits Tage vorher ausverkauft. Das kommt hier nicht oft vor. Es ist außerdem der auf f3a.net von den Festivalbesuchern aktuell am besten bewertete Film dieses Jahrgangs.
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Das war es also, mein 30. Fantasy Filmfest. Wie immer reiche ich noch ein kleines Fazit nach, aber das kommt in einem extra Beitrag. Dieser hier ist schon viel zu lang geworde, das liest sich ja niemand durch.

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