05. 08. 2017

Paperback

Wie wäre es für den nächsten Spieleabend mit einem Kartenspiel, das eine Mischung aus Dominion und Scrabble ist? Klingt seltsam? Funktioniert aber überraschend gut. Mir zumindest macht Paperback ziemlichen Spaß, und deshalb will ich jetzt ein paar Zeilen darüber schreiben.

Auf das Spiel aufmerksam geworden bin ich vor Kurzem durch das Erscheinen der deutschen Version bei spiele-offensive.de. Da die Verteilung der Buchstaben eine entscheidende Rolle spielt, würde ich dringend dazu raten, nicht die U.S. Version zu kaufen, wenn ihr es mit deutschen Wörtern spielen wollt. Ursprünglich entstand Paperback als Kickstarter Projekt, und dass das gesteckte Ziel erreicht wurde, merkt man an der liebevollen Verarbeitung (an dieser Stelle ein Lob für die super durchdachte und platzsparende Box) und den bereits enthaltenen Mini-Erweiterungen. Die Illustrationen sind zurückhaltend eingesetzt, aber sehr stimmig. Für ein Kartenspiel mag es teuer erscheinen, aber der Preis ist gerechtfertigt. Nur was in der deutschen Anleitung mit den Worttrennungen schief gelaufen ist, haben wir uns beim Entziffern gefragt… :)

Das Spielprinzip vereint wie gesagt den Wörterbau aus Scrabble mit den Deck Building Mechaniken von Dominion. Man versucht als aufstrebende Romanautorin erfolgreich zu sein. Alle Spieler starten mit 5 alltäglichen Buchstaben und 5 Jokern in ihrem Kartendeck, von dem sie jede Runde 5 Handkarten ziehen. Aus diesen versucht man dann ein Wort zu bilden, das möglichst viele Punkte bringt. Denn von den in der eigenen Runde erreichten Punkten darf man sich bessere Buchstabenkarten von ausliegenden Stapeln für das Deck kaufen. Das können wertvollere (aber auch schwerer zu verbauende) Buchstaben sein, Kombinationen aus zwei Buchstaben oder sogar Buchstaben mit Sonderfähigkeiten. Diese Fähigkeiten können einem z.B. zu mehr Punkten oder Handkarten verhelfen oder den Gegner bei seinem nächsten Zug behindern. Neben den Buchstabenkarten kann man auch Karten für Siegpunkte kaufen, die als Joker fungieren und während des Spiels keine Punkte bringen. Dafür sind sie es allerdings, die bei Spielende für den Sieg zählen. Wer Erfahrung mit Dominion hat, dem dürfte dieses System bekannt vorkommen. Man sollte nicht zu früh beginnen, sich die Hand mit Siegpunkten „vollzumüllen“, aber wer sich zu spät darauf konzentriert, bleibt womöglich auf der Strecke.

Paperback

Es gibt noch ein paar andere Raffinessen, wie z.B. eine öffentliche Karte, die man zusätzlich zu den Handkarten für seine Wörter benutzen darf, sowie Sonderpunkte für besondere Leistungen. Das können Wörter einer bestimmten Länge oder Themengebiete sein, zu denen das gelegte Wort passen muss. Diese Themen muss man nicht mit ins Spiel nehmen, aber wenn man schon ein paar allgemeine Runden ohne Themenvorgaben hinter sich hat, können sie frischen Wind bringen. Zum Beispiel legt man zu Beginn des Spiels die Themenkarte „Science Fiction“ aus, woraufhin der erste, der ein Wort legt, das eindeutig dazu passt, diese Themenkarte erhält. Am Ende des Spiels bringt sie Siegpunkte – allerdings kann der nächste Spieler, der einen Science Fiction Begriff legt, sich die Karte schnappen. Das ist aber wie gesagt schon eine fortgeschrittene Variante. Grundsätzlich ist man bei der Wahl der Begriffe völlig frei. Auf ein paar Regeln sollte man sich natürlich trotzdem mit seinen Mitspielern einigen, wir spielen zum Beispiel nach dem Duden, ohne Eigennamen, sowie ohne Mehrzahl oder sonstige Wortbeugungen.

Was mir an Paperback sehr gefällt, ist, dass man sich seinen Buchstaben-Pool selber zusammenstellt. Natürlich braucht man dann auch Glück beim Ziehen, aber es macht durchaus einen Unterschied, welche Karten man sich kauft. Ein Deck ohne Vokale bringt einen schnell zur Verzweiflung, während ein paar praktische Doppelbuchstaben wie EN (perfekt für Verben) eine große Hilfe sind. Auch die Fähigkeiten können viel ausmachen, wenn man z.B. mehr als die üblichen 5 Handkarten ziehen darf. Ich fühle mich also insgesamt weniger vom Glück abhängig als bei Scrabble. Die Runden haben außerdem eine angenehme Länge und spielen sich entspannt. Man sollte allerdings auf jeden Fall bereits während des Zuges des Vorgängers über sein nächstes Wort nachdenken, ansonsten kann es sich ziehen. Aber das Problem haben ja eigentlich alle Spiele, in denen man Wörter bilden muss. Notfalls stellt man eine Uhr, wenn einen die Wartezeiten zu sehr nerven. Irgendein Wort kann man eigentlich immer legen, man feilt aber natürlich daran, aus seinen Handkarten das Maximum an Punkten oder Wortlänge herauszuholen.

Was die Spieleranzahl angeht, haben wir Paperback bisher zu zweit und dritt ausprobiert, und ich kann beides empfehlen. Mit mehr Spielern könnte die Warterei zäh werden, und es dürfte deshalb tatsächlich sinnvoll sein, eine Zeitbegrenzung einzubauen.

Fazit: Von mir eine klare Empfehlung für Freunde von Wortspielen. Und wer Dominion mag, aber Scrabble hasst, kann zumindest einen vorsichtigen Blick riskieren.

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