26. 01. 2018

FFF White Nights 2018

Fantasy Filmfest 2017 Ffm

Langsam könnte ich meinen Blog in FFF-Blog umbenennen. Dass ich jetzt schon wieder darüber schreibe, liegt nicht etwa daran, dass in den letzten Monaten so wenig in meinem Leben passiert wäre. Eher das Gegenteil war der Fall. Immer wenn ich gerade frische Zeilen über eine Brettspielentdeckung oder etwas Persönlicheres aneinanderreihen wollte, kam etwas anderes dazwischen. Jetzt nehme ich mir aber die Zeit, um zumindest kurz meine Meinung zu den Fantasy Filmfest White Nights los zu werden, die letztes Wochenende in Frankfurt stattfanden. Sie sind die winterliche Miniaturversion des großen Sommer-Filmfests: An zwei Tagen werden zehn Filme gezeigt, deren regulärer Kinostart entweder erst noch ansteht oder die es in Deutschland überhaupt nicht auf die große Leinwand schaffen werden. Wie immer wusste ich also vorher nicht viel darüber, was mich erwarten würde. Diesmal war ich in der netten Begleitung von Johanna unterwegs, für die es ihr erstes Filmfestival war, sowie bei einigen Filmen von Sandra und Alex, die schon FFF-erprobt sind.

Nach vielen Jahren im Cinestar Metropolis ist das Fantasy Filmfest dieses Jahr in das gemütliche Arthouse Kino Harmomie umgezogen. Diese Entscheidung wird vom Publikum zwar anscheinend größtenteils positiv aufgenommen, aber einige kritischen Stimmen gibt es doch. Vor allem die alten Hasen freuen sich über das persönlichere Kinoerlebnis ohne Massenabfertigung, denn jetzt muss das FFF kein Schattendasein mehr neben Blockbustern fristen, die die größeren Säle des Metropolis füllten. Auch mir ist die Harmonie Atmosphäre sympathisch. Allerdings ist der neue Saal trotzdem noch eine Spur kleiner als der schon vergleichsweise kleine Saal, den wir in den letzten Jahren im Metropolis hatten, und die Sicht ist deutlich schlechter. Es gibt einen Balkon, was an sich eine schöne Sache ist… nur leider sorgte der zusammen mit der nicht vorhandenen Steigung der unteren Sitzreihen dafür, dass mir schon nach einem Film der Nacken weh tat. Die Leinwand hängt nämlich extrem hoch. Vom Balkon aus ist der Blickwinkel zwar angenehm, dafür schiebt sich dort aber gerne das Geländer in den Weg. Ich muss ehrlich sagen, dass ich die Atmosphäre eines Kinos zwar als netten Bonus empfinde, dass für mich aber letztenendes der Film zählt. Und den will ich sehen, deshalb spielt die Sicht eine nicht unbedeutende Rolle. Aber mal abwarten… bis zum Sommer soll das momentan sehr enge Foyer umgebaut werden, und vielleicht werden dabei ja auch zum Beispiel die plumpen Balkongitter mit einem Upgrade bedacht. Was die Umgebung des neuen Standortes angeht, bin ich zwar kein großer Fan von Sachsenhausen, aber die Bahnanbindung ist ähnlich gut wie bisher und die Essensauswahl sehr gut. Ich habe mir am Wochenende beim Burgermeister mal wieder die selbstgemachten Kartoffelchips gegönnt. Können die nicht bitte mit dem Kino kooperieren und sie im Saal servieren? Ich würde mich kugelig fressen.

Nun zu den Filmen und meiner wie immer völlig subjektiven Meinung dazu. Falls ich bei Letterboxd ausführlicher darüber geschrieben habe, habe ich diese Reviews verlinkt – natürlich alles spoilerfrei! Es gab für mich ein eindeutiges Highlight und eine eindeutige Gurke. Dazwischen ein Haufen Filme, die mir auf dem Festival Spaß gemacht haben, die ich aber nicht unbedingt ein zweites Mal sehen muss. Insgesamt hat sich die Wundertüte wieder gelohnt!

Großartig!

The Shape of WaterThe Shape of Water
Noch vor dem Oscar Hype gesehen und ziemlich beeindruckt gewesen von dieser märchenhaften Liebesgeschichte zwischen einer stummen Putzfrau und einem missverstandenen Wassermonster. Der Film bot mir das gute Gefühl von „Die fabelhafte Welt der Amélie“ in einem Setting, das mir mit seinen Del Toro typischen Horror-Elementen noch ein bisschen mehr liegt. Außerdem mochte ich die Charaktere alle sehr. Große Empfehlung!
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Auch noch gut

The EndlessThe Endless
Im Programmheft als „twisted“ und „mindfuck“ kategorisiert. Das hat mich natürlich neugierig gemacht, und The Endless hat die Erwartungen glücklicherweise erfüllt. Über solche kleinen Merkwürdigkeiten freue ich mich immer besonders auf dem Festival. Ich fand das Rätselraten, was in in der abgeschiedenen Gegend für mysteriöse Dinge vorgehen, sehr spannend. Dabei muss man aber ziemlich viel Geduld mitbringen, denn die Puzzelteile werden einem nur häppchenweise hingeworfen. Ob das beim zweiten Ansehen auch noch so fesselt, weiß ich nicht. Außerdem fiel mir eine abschließende Bewertung schwer, weil es Anspielungen auf einen früheren Film der Regisseure gibt, den ich mir jetzt sehr gerne noch ansehen will, um das ganze Bild zu haben.
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You were never really hereYou were never really here (a.k.a. A Beautiful Day)
Ein wunderbar gespielter Film, der vom Genre oder der Art her zwar nicht wirklich meinen Geschmack getroffen hat (eine Spur zu sehr „art house“), dem ich aber zugestehe, dass er gut war. Sehr ruhig, aber mit einigen brutalen Spitzen. Das unangenehme Thema Kindesmissbrauch hat mich allerdings erstaunlich wenig berührt… da war z.B. der ein bisschen in die selbe Richtung gehende The World of Kanako von vor einigen Jahren für mich ein heftigerer Schlag in die Magengrube, und ich fand ihn auch stilistisch noch eine Spur interessanter.

Ghost StoriesGhost Stories
Leider waren meine Erwartungen extrem hoch, was wahrscheinlich dazu beigetragen hat, dass ich etwas zu überkritisch auf den Film reagiert habe. Dabei macht er ziemlichen Spaß! Die Gespenstergeschichten an sich wirken zwar erst einmal sehr 08/15, aber wie sich dann alles zusammenfügt entschädigt dafür. Außerdem schön gefilmt und mit guten Schauspielern bestückt. Einer der laut Ankündigung „unheimlichsten Filme, die jemals auf dem Fantasy Filmfest gezeigt wurden“ ist er für mich allerdings bei weitem nicht, da gab es mit It Follows oder Ju On schon ganz andere Kaliber.

Ganz nett

The LodgersThe Lodgers
Ein feiner kleiner Grusler, bei dem man allerdings nicht erwarten sollte, sich panisch am Sitz festzukrallen. Hier wird eher mit der Atmosphäre gepunktet, als dass einen der ganz große Schrecken erwartet. Angesiedelt in den 1910er Jahren geht es um ein irisches Geschwisterpaar, das alleine den alten Landsitz der Familie bewohnt, und sich an die Regeln der in einem Kellerloch hausenden Geisterdämonen halten muss.

Cold SkinCold Skin
Ähnlich wie bei The Lodgers hat mich Cold Skin gut unterhalten, aber es ist kein Film, den ich mir für zuhause zulegen muss. Dafür fehlt ihm das gewisse Etwas. Lustig war, dass an diesem Tag alle vier Filme mit Wasser zu tun hatten. In Cold Skin wird eine abgelegene Insel von Monstern überrannt, und ein frisch dort abgesetzte Wetterexperte gerät zwischen die Fronten. Das Setting hat mir sehr gut gefallen, und es gab auch genug Action. Die Charaktere blieben allerdings etwas blass. Es ist übrigens eine Verfilmung des Romans „Im Rausch der Stille“ von Albert Sánchez Piñol.
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Nicht mein Humor

ColossalThe little Hours
Bin ich alt und verbittert, weil ich fluchende Nonnen im Mittelalter nicht sonderlich witzig finde? Im ersten Moment schon, aber auf Spielfilmlänge war das dann doch sehr emüdend. Es gibt zwar auch noch andere Gags, von denen einige richtig gut waren, aber ein Großteil kam mir leider zu flach und einfallslos vor… Glücklicherweise sind die Darsteller größtenteils sympathisch. Andere Komödien haben mich schon deutlich mehr genervt.
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Finger weg

HostileHostile
Im beliebten postapokaylptischen Standard-Wüsten-Setting kämpft eine Frau nach einem Unfall eine Nacht lang ums Überleben, während angriffslustige Monster es auf sie abgesehen haben. Zwischendurch bekommen wir in Rückblenden erzählt, was sie so erlebt hat, bevor es mit der Menschheit den Bach runter ging. Und meine Güte, das würde jeder GZSZ Folge alle Ehre machen! Ein Schicksalsschlag jagt den nächsten, nur unterbrochen von einem Schuss Romantikkitsch und dem Ärger darüber, dass diese Charaktere so unglaucblich unsympathisch sind. Nein, ich mochte Hostile nicht sonderlich… und das Ende machte den Film nicht besser.
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