07. 04. 2021

Du streamst?

Meinen Twitch Account findet ihr hier und ich streame donnerstags ab 19:30. Ich bin kein guter Alleinunterhalter. Das weiß ich, weil ich mit einem verheiratet bin. Wenn mir ein Gag einfällt oder ein passendes Zitat, traue ich mich oft nicht, es auszusprechen, aus Angst, dass ich mich verhaspel oder es nicht gut ankommt. Ich bin nicht auffallend gut und erst recht nicht auffallend schnell, was Videospiele betrifft. Und dann noch gleichzeitig den Chat lesen? Hui. Wenn ich mir ein Video von mir ansehen muss, schalte ich den Ton aus, weil ich es nicht ertrage, meine eigene Stimme zu hören. Außerdem streamen schon viel zu viele Leute ohne nennenswertes Talent. Ich schäme mich manchmal für die Zeit, die ich meinen Freunden damit stehle, weil sie sich möglicherweise verpflichtet fühlen, mir emotionalen Beistand zu leisten, wenn ich mich durch ein altes DOS-Spiel kämpfe, das weder damals noch heute gut war.

Warum zur Hölle streame ich also?

Es tröstet gegen die Corona-Einsamkeit. Angefangen habe ich letzten Sommer mit etwas Praktischen: Zeichen-Streams für das SP-Studio. Ich wollte im Rahmen meiner Möglichkeiten die SP-Studio.de Besucher ein bisschen ablenken und unterhalten, die im Lockdown alleine zuhause saßen. SP-Studio Updates waren ein Thema, zu dem ich etwas erzählen und zeigen konnte. Und dabei merkte ich, dass es mir auch selber gut tat. Später kam das Filmgeplauder dazu, das einfach ein Ersatz dafür war, nach einem gemeinsamen Filmabend mit meinen Freunden über den Film zu quatschen. Und inzwischen streame ich jeden Donnerstag abends ein paar Stunden lang, wie ich Videospiele spiele. Keine trendigen Titel, sonden meistens etwas, zu dem ich einen persönlichen Bezug habe. Die Ambitionen sind überschaubar. Meine paar Zuschauer sind größtenteils Freunde, und deswegen fühlen sich die Streams an, als würde man zusammen auf der Couch sitzen. Natürlich nur eingeschränkt – immerhin können sie nur per Chat mit mir kommunizieren. Aber das ist immer noch mehr, als das, was Corona mir in der Realität zugestanden hat. Fünf Monate lang hatten wir überhaupt keinen Besuch. Obwohl ich mich gut alleine beschäftigen kann und wir hier immerhin zu zweit mit Hund wohnen, nagt das irgendwann an einem – und deshalb nutzen wir das Internet so gut es geht als Ausgleich: Wir treffen uns zu Brettspielerunden im Tabletop Simulator, Dungeons & Dragons bei Roll20, zu gemeinsamen Filmeabenden per Watchparty oder streamen eben. Nicht auszudenken, wie es mir gerade ohne Internetzugang gehen würde. Wenn ich meinen Freunden dabei zusehe, wie sie streamen, hat das etwas beruhigendes. Man ist doch gar nicht so alleine. Vielleicht sortiere ich nebenbei meine E-Mails oder räume meinen Schreibtisch auf, aber ich sehe trotzdem gerne zu. Und dabei sind die Erwartungen völlig andere, als wenn ich „professionellen“ Streamern zusehe – was ich übrigens sehr selten mache. Denn das sind nun mal nicht meine Freunde, und deshalb interessieren sie mich gerade weniger.

Sich über die vielen neuen Brotbäcker, Podcaster und Streamer lustig zu machen, die das letzte Jahr hervorgebracht hat, ist natürlich leicht. Aber ich denke, dass es immer gut ist, sich neue Hobbies zu suchen – gerade jetzt. Und idealerweise auch neue Wege, mit anderen in Kontakt zu bleiben. Wenn ihr also Lust habt, etwas auszuprobieren, dann macht es. Das schlimmste was passieren kann, ist, dass es es doch keinen Spaß macht, ihr euch aber dadurch ein paar Stunden elendes Corona-Doomscrolling erspart habt.

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